FOTO VON GRACIOSA, AZOREN (PORTUGAL)
FOTO VON GRACIOSA, AZOREN (PORTUGAL)
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Graciosa: Die Liebliche, machmal

Ich habe für Graciosa leider nur ein paar Stunden Zeit, vom frühen Morgen bis zum späten Nachmittag. Doch zunächst muss ich am Flughafen erst einmal mein Gepäck loswerden. Nach einem kurzem Gespräch mit dem Personal soll ich den Start des Fliegers nach Terceira abwarten, bis sich eine Angestellte des Flughafens um mein Anliegen kümmert. Wie sich herausstellt, gibt es gar keine Gepäckaufbewahrung. Sie nimmt meine beiden Koffer und stellt sie zwischen den Check-In-Schaltern an die Seite. Tja, denke ich mit meinem deutschen Sinn für praktische Lösungen, das hätte der gute Mann vor 15 Minuten auch schnell machen können. Die nette junge Dame denkt jedoch genauso und bestellt mir wenigstens ein Taxi, denn der Stand draußen ist natürlich seit einigen Minuten gähnend leer. Doch Santa Cruz liegt dichter am Flughafen als gedacht. Dieses kurze Stück kann man auch gehen!

Graciosa, »die Liebliche« ist am Morgen etwas rauh und ungemütlich, will ihrem Namen also gar keine Ehre machen. Der Wind pfeift durch Santa Cruz. Es regnet zwar nicht, doch schwere dunkle Wolken dominieren den Himmel und machen die Motivsuche nicht gerade leicht. Doch immerhin kein Regen. Positiv denken! Der Tag ist ja noch lang und ich glaube fest an mein Glück an diesem Tag.

Nach einem kleinen Frühstück am Hauptplatz von Santa Cruz und einem Rundgang durch den hübschen Ort nehme ich den Bus nach Praia, der für das kurze Stück eine Dreiviertelstunde braucht. Ich mag gerne mit den BewohnerInnen der Insel im Bus fahren. So kriege ich wenigstens ansatzweise mit, wie die Menschen hier ticken. In Praia spuckt mich der Bus aus, und ich höre schon von Weitem, wie die Wellen gegen die Kaimauern krachen. Natürlich muss ich auf den oben liegenden Weg, um das Meer zu sehen und kriege prompt eine kleine Dusche auf den Kopf. Ein Lächeln huscht über die Lippen, und ich starre stattdessen so böse in Richtung Himmel, um den dunklen Wolken klarzumachen, dass sie gefälligst verschwinden sollen, denn ich möchte die schnuckeligen Windmühlen im zarten Sonnenlicht fotografieren. Und was passiert? Die Wolken erschrecken sich dermaßen, dass sie sich Hals über Kopf vom Himmelsacker und den Weg für die Sonnenstrahlen frei machen. Ich kann mein Glück kaum fassen und nutze diesen unerwarteten Wetterumschwung, um die Windmühlen in wunderschönem Licht zu zeigen. Grandios!

Kurz danach sind alle Wolken wieder an ihrem Platz. So kann ich in Ruhe zu »meiner« Höhle fahren. Ja, die »Furna do Enxofre« will ich unbedingt sehen. Leider kann ich nicht ganz nach unten gehen, da die Messgeräte giftige Dämpfe anzeigen. Mein Aufenthalt ist aus gesundheitlichen Gründen auf fünfzehn Minuten beschränkt. Ich bin einige Meter unter der Erde in einer Felswand mit schönem Farbenspiel und kann die schwefeligen Gase nur zu deutlich riechen. Doch die Eindrücke reichen mir. Die Höhle ist zwar weit weniger spannend als gedacht, doch wer weiß, wie es unten am See aussieht.

Nach einem kurzen Spaziergang durch den gigantischen Krater bringt mich das Taxi zurück nach Santa Cruz. Dort habe ich zum zweiten Mal Glück, und mein Gefühl vom Morgen bewahrheitet sich. Die Wolken treten den Rückzug an, der Himmel wird blauer und blauer. Die Wärme der Sonnenstrahlen tut einfach gut und verändert die Sicht auf Santa Cruz schlagartig. Ich stürme sofort zu meinen beiden Windmühlen, die ich am Morgen noch in dem Gefühl verlassen musste, dass ich ihre Schönheit so leider nicht mitnehmen kann. Doch nun geht plötzlich alles wie von selbst! Es macht viel Spaß, diesen kleinen Ort zu erkunden, ein wenig in der Sonne zu sitzen, um nach einem Blick auf die Uhr festzustellen, dass es Zeit ist, zum Flughafen zu fahren. Klar, ich konnte beileibe nicht alles sehen. Doch ich wollte auch nur Eindrücke aufsaugen. Und die habe ich für immer in mir. Ich weiß, dass ich noch einmal nach Graciosa kommen werde. Zum Weitersaugen.

F P

Fernando Pessoa

Eine kurze Vorstellung des so scharfsinnigen Schriftstellers aus Portugal

L

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